Künstler
Zum Programm
Das Programm dieses Abends spannt einen weiten Bogen von der Wiener Klassik bis in die Gegenwart und verbindet bekannte Meisterwerke mit faszinierenden, seltener gespielten Kompositionen. Dabei eröffnet sich nicht nur eine Vielfalt musikalischer Stile, sondern auch ein Blick auf die Lebenswege und künstlerischen Einflüsse der Komponisten.
Warum „Konzert der Legenden“?
In diesen beiden Konzerten stehen Pianistinnen und Pianisten auf der Bühne, die den Pianistenclub über viele Jahre hinweg mit ihrem außergewöhnlichen Engagement, ihrer künstlerischen Persönlichkeit und zahlreichen unvergesslichen Auftritten geprägt haben. Sie haben seine Entwicklung maßgeblich mitgestaltet – und ihre Konzerte sind dem Publikum bis heute als etwas Besonderes in Erinnerung geblieben. So stehen sie sinnbildlich für die „Legenden“ des Pianistenclub München.
Zu Beginn erklingt Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate Nr. 4 in Es-Dur – ein Werk des jungen Mozart, das bereits jene Balance aus Eleganz, Klarheit und Ausdruckskraft zeigt, die sein Schaffen prägen sollte.
Mit den Variationen op. 82 von Ferdinand Ries begegnen wir einem Komponisten, der heute oft im Schatten seines berühmten Lehrers Ludwig van Beethoven steht. Ries war nicht nur Beethovens Schüler, sondern auch enger Vertrauter und Sekretär. Als Pianist und Komponist feierte er in ganz Europa Erfolge. Seine Variationen über das venezianische Lied „La biondina in gondoletta“ spiegeln die musikalische Mode seiner Zeit: bekannte Melodien werden virtuos verarbeitet und mit brillanter Spielfreude ausgeschmückt.
Auch Michail Glinka, der als Begründer der russischen Nationalmusik gilt, war stark von westeuropäischen Einflüssen geprägt. Auf Reisen durch Italien lernte er die Opern Bellinis kennen und ließ sich von deren melodischer Schönheit inspirieren. Seine Variationen über ein Thema aus „I Capuleti ed i Montecchi“ verbinden italienische Belcanto-Lyrik mit eigener russischer Klangfantasie – ein Beispiel für Glinkas Rolle als Vermittler zwischen musikalischen Welten.
Nach der Pause steht mit Beethovens „Pathétique“ eines der bekanntesten Werke der Klavierliteratur im Zentrum. Die Sonate zeigt Beethoven auf dem Weg in eine neue, emotional aufgeladene Tonsprache, die weit über die Klassik hinausweist.
Mit Ludovico Einaudis „Nuvole bianche“ tritt schließlich die Gegenwart in Dialog mit der Tradition. Der italienische Komponist und Pianist ist für seine meditativen, minimalistischen Klanglandschaften bekannt. Einaudi, der unter anderem am Mailänder Konservatorium ausgebildet wurde und sich auch mit Filmmusik einen Namen gemacht hat, verbindet klassische Strukturen mit eingängigen, atmosphärischen Motiven, die ein breites Publikum ansprechen.
Den Abschluss bilden Werke Frédéric Chopins, dessen Musik wie kaum eine andere für die poetische Ausdruckskraft des Klaviers steht. Seine Nocturnes und die Ballade Nr. 1 vereinen Virtuosität, Melancholie und erzählerische Tiefe und führen die romantische Klangsprache zu ihrem Höhepunkt.
Durch den Abend führt Aglaya Zinchenko, die nicht nur als Pianistin, sondern auch als Moderatorin Einblicke in die Hintergründe der Werke und ihrer Schöpfer gibt. So entsteht ein Konzert, das Musik nicht nur hörbar, sondern auch verständlich macht.
Susanne Absmaier